Eine runde Sache

Wer einen Mozartkugel-Kurs in St. Gilgen am Wolfgangsee besucht, erfährt nicht nur so Einiges über den musikalischen Superstar und seine Familiengeschichte, sondern wird in die tiefsten Geheimnisse der hohen Konditorenkunst eingeweiht.

Maria Anna Walburga wurde 85 Jahre alt. Sie hatte zwei Kinder und hinterließ ein beträchtliches Vermögen. Ihr Bruder starb mit nur 35 Jahren, galt schon zu Lebzeiten als musikalischer Superstar und verdiente ein Heidengeld. Bis zu seinem frühen Tod war davon aber nichts mehr übrig. Der Lebenswandel war allzu ausschweifend gewesen. Und doch kennt man heute in erster Linie ihn - Wolfgang Amadeus Leopold Mozart. Dabei war seine Schwester, unter dem Kosenamen Nannerl bekannt, eine mindestens genauso bemerkenswerte Frau. Ganze 17 Jahre ihres Lebens verbrachte sie im wunderschönen St. Gilgen am Wolfgangsee.

Am besten Platze im idyllischen Ortskern liegt die geschichtsträchtige Café-Konditorei Dallmann. Da werden noch heute die Echten Mozartkugeln von Hand gerollt werden, übrigens eine Kreation der Inhaberfamilie Silvia und Franz Mayrhofer.

Auf Einladung zu einem der begehrten Mozartkugel-Kurse begaben wir, die angehenden Hobby-Zuckerbäcker, uns unlängst hochmotiviert in die Produktion. Sogleich umfingen uns magische Düfte von Schokolade, Nougat, Pistazien und Marzipan. Aus diesen Zutaten, so lernten wir kurz darauf, werden denn auch die weltberühmten Mozartkugeln hergestellt. Unter fachkundiger Anleitung von Herrn Franz schnappten wir uns als Ausgangsprodukte Marzipan und Pistazien. Zuerst werden nämlich die beiden miteinander zu einer grünen Masse verknetet und händisch zu möglichst gleichförmigen Kugerl geformt. Danach spießt man diese vorsichtig auf ein Holzstäbchen auf. Auf der Arbeitsfläche wartete schon ein kleines Rechaud mit einem wohltemperierten, flüssigen Nougatbad auf die aufgespießten Kugeln. Es klingt vielleicht simpel, aber es gehört ganz schön viel Übung dazu, die Hand dabei möglichst elegant zu drehen. Auf den richtigen Dreh kommt es nämlich an, damit überschüssiges Nougat abtropfen kann. Denn nur so erhält die zukünftige Mozartkugel das gewünschte, glatte Äußere.

Während wir fleißig runde Pralinen formen, tunken und drehen, plaudert Herr Franz munter weiter. Im Jahr 1904 hat ein gewisser Paul Fürst erstmals die Idee einer solchen Schokokugel realisiert. In Paris gewann er mit dem Geniestreich eine Goldmedaille. Da der Begriff Mozartkugel aber nicht schützbar ist, sicherte sich Herr Fürst einst das Beiwort "Original" - bis heute wird es in Verbindung mit Mozartkugel für seine runden Schokokunstwerke aus der Stadt Salzburg verwendet.

Hier im Hause Dallmann ist man dafür auf die Echte Mozartkugel stolz. Diese ist in edle Silberfolie eingeschlagen und mit dem Konterfei Mozarts versehen. Apropos Verpacken: Nachdem die Schokohülle unserer selbst fabrizierten Süßigkeiten vollständig getrocknet war, lösten wir sie behutsam vom Holzspieß. Auf Geheiß vom Meister schlossen wir das dabei entstandene Loch mit einem Tupfer des flüssigen Nougats, legten ein Stück der silbrigen Folie in die Mitte unserer Handfläche und platzierten das süße Schmankerl darauf. Mit zwei versierten Griffen aus dem Handgelenk war die Kugel in ihr finales Kleid gewandet - voilà, unsere erste selbst gemachte, handgedrehte Echte Mozartkugel war geboren.

PDF Download: Danke lieber Mozart

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